Jede Preisliste für Roboter zeigt zwei Zahlen: was eine Maschine im Kauf kostet und, manchmal, was sie zur Miete kostet. Keine zeigt die Zahl, die darüber entscheidet, was sie tatsächlich verdient, nämlich wie lange es dauert, bis nach der Ankunft der Maschine an einem Standort die erste Stunde bezahlt wird.
Am 1. Oktober hat ein Zürcher Unternehmen erklärt, diese Zeit von Wochen auf Tage verkürzt zu haben. Wie es das geschafft hat, sagt mehr über den Besitz von Robotern als die meisten Hardware-Neuheiten dieses Jahres.
Was ANYbotics angekündigt hat
ANYbotics, das ETH-Spin-off hinter dem vierbeinigen Inspektionsroboter ANYmal, stammt aus demselben Labor wie das Bagger-Autonomie-Unternehmen Gravis. Es hat eine Plattform namens Shift lanciert, die das digitale Modell einer Anlage, die Roboterflotte, die Inspektionsdaten und die Instandhaltungssysteme des Kunden in einem Ablauf verbindet, sodass ein Messwert, den der Roboter auf seinem Rundgang erfasst, direkt zu einem Arbeitsauftrag werden kann.
Der Satz, der für Besitzer zählt, ist ein kleinerer in der Ankündigung. Laut ANYbotics lassen sich Einrichtungsarbeiten, für die bisher die eigenen Spezialisten wochenlang nötig waren, jetzt von den Technikern vor Ort beim Kunden in Tagen erledigen.
Das Unternehmen meldet mehr als 200 Robotereinsätze in Energie, Metall, Bergbau und Chemie. Ein Kunde, Vigier Cement, hat im Rund-um-die-Uhr-Betrieb in 16 Monaten mehr als 33’000 autonome Inspektionen durchgeführt.
Die tote Zeit, die niemand bepreist
Jeder Roboter hat eine Phase, in der er vor Ort steht und nichts verdient. Der Standort muss kartiert, Routen müssen eingelernt, Missionen definiert, der Roboter an die Systeme des Kunden angebunden und das Personal eingewiesen werden. Für eine Maschine, die jahrelang in einem Werk bleibt, sind das einmalige Kosten, die im zweiten Quartal vergessen sind.
Eine vermietete Maschine bleibt nicht für immer. Verträge laufen aus, Kunden wechseln, die Nachfrage wandert von einer Branche zur nächsten, und jeder Umzug startet die tote Zeit von vorn. Braucht die Einrichtung einen Spezialisten des Herstellers, kostet sie doppelt: die Tage des Spezialisten und die Wochen, in denen die Maschine nichts abrechnet.
Warum das einem Besitzer mehr bedeutet als einem Käufer
Ein Käufer, der einen Roboter in einem Werk behält, zahlt die Einrichtung einmal. Ein Besitzer, der Maschinen vermietet, zahlt sie jedes Mal, wenn eine Maschine den Standort wechselt. Über die Lebensdauer geht die Zahl der Umzüge mal die tote Zeit pro Umzug direkt von den Stunden ab, die eine Maschine abrechnen kann.
Wir haben schon früher geschrieben, dass eine Flotte keine Fähigkeiten kauft, sondern Auslastung, also Fähigkeit mit einem Kunden dahinter. Die Einrichtungszeit ist der Ort, an dem Auslastung leise verloren geht, in den Lücken zwischen Kunden statt bei der Arbeit. Sie von Wochen auf Tage zu verkürzen und zu einer Aufgabe zu machen, die ein Techniker vor Ort erledigen kann, verändert die Wirtschaftlichkeit über das ganze Leben einer Maschine und nicht nur im ersten Monat.
Die Software löst sich von der Hardware
Die andere Hälfte der Ankündigung zeigt in dieselbe Richtung. ANYbotics will Shift für Roboter anderer Hersteller öffnen: Daten von Sensoren und Robotern Dritter ab diesem Monat, die Verwaltung fremder Flotten im nächsten Jahr.
In derselben Woche zeigte Primech, ein an der Nasdaq kotiertes Facility-Services-Unternehmen aus Singapur, eine Plattform, die seine Liefer-, Empfangs- und Reinigungsroboter auf denselben Bildschirm bringt wie das menschliche Personal. Geschäftsführer Ken Ho sagte, gerade die Verwurzelung im Facility Management zeige dem Unternehmen, wo sich Roboter lohnen.
Letzte Woche haben wir beschrieben, wie Tesla seine Humanoiden, deren Daten und deren Betrieb in einem Unternehmen halten will. In Inspektion und Facility Management geschieht das Gegenteil. Die Ebene, die Roboter einplant, überwacht und neu einsetzt, wird zu einem eigenen Produkt, und sie beginnt, herstellerübergreifend zu funktionieren. Für einen Pool über mehrere Hersteller hinweg, wie den beep Robo-Pool, ist das eine Voraussetzung: Eine gemischte Flotte ist nur beherrschbar, wenn der Software, die sie betreibt, egal ist, wer welche Maschine gebaut hat.
Was noch nicht bewiesen ist
«Wochen auf Tage» ist eine Angabe von ANYbotics selbst, ohne veröffentlichte Aufschlüsselung, um welche Aufgaben oder welche Anlagentypen es geht. Inspektion ist zudem ein gnädiger Fall für die Einrichtung, weil die Roboter feste Routen in Anlagen ablaufen, die sich langsam verändern, während sich ein Lager oder ein Spital jeden Tag verändert. Die Verwaltung fremder Flotten ist ein Plan für nächstes Jahr und noch kein Produkt, und Primechs Kundenvorführungen haben eben erst begonnen, ohne bekannt gegebene Einsätze.
Der Preis eines Roboters macht die Schlagzeilen. Wie lange es dauert, ihn zum Arbeiten zu bringen, und ihn anderswo erneut zum Arbeiten zu bringen, entscheidet darüber, was er verdient.